Mein Herz

In der letzten Zeit kamen mir durch Gespräche einige Redewendungen zum Herzen in den Sinn:

 

"da hängt mein Herzblut dran"

"Dein Herz kennt die Antwort"

"es berührt mein Herz"

"mein Herz hüpft vor Freude"

"es geht mir zu Herzen"

"herzergreifend weinen"

"mein Herzenswunsch"

"Herzschmerz"

u.v.a.m.

 

Ich habe mir auch "mein" anatomisches Herz einmal angeschaut; es ist so groß, wie meine Faust, d.h. eigentlich recht klein, für meine gesamte Körpergröße.

Dieses Herz schlägt für mich, nur für mich, Tag und Nacht.

In Ruhe, wenn ich schlafe, schneller, wenn ich renne, um den Bus zu erwischen oder sportlich tätig bin.

Es hüpft, wenn ich mich freue und schlägt langsamer, wenn ich traurig bin.

 

Es passt sich meinem Gemüt an;

Es stellt mir seine ganze Kraft zur Verfügung, all seine Energie, jede Sekunde meines Lebens.

Es unterwirft sich meinem Willen, wenn es sein muss, bis zur vollkommenen Erschöpfung.

 

Mein Herz zu spüren und mit meinem Herzen zu spüren, heißt für mich, mir selbst ganz tief, ganz nahe zu sein.

 

Welchen Wert bringe ich diesem doch recht kleinen Muskel entgegen, der Tag und Nacht wirklich alles für mich gibt?

 

Wie oft schiebe ich seinen Klang, seinen Ton, seine Bitte an mich zur Seite? Weil ich meine, es passt gerade nicht, ich mache es später, das hat noch Zeit, ich bin noch nicht bereit.....

 

Ich füge hier einige Zeilen aus dem Gedicht "Stufen" von Hermann Hesse ein, der so treffend beschrieben hat, was zu tun ist, wenn das Leben - oder mein Herz - ruft:

 

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe

Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,

um sich in Tapferkeit und ohne Trauern in andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

 

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!